Der zweite Streich: Eimol öm janz Kölle röm

Nun ist er vollbracht, der zweite Streich, und auch drei Tage später lässt sich die Frage, ob es nun eine gute Idee sei, an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden einen Ultra zu laufen, noch nicht abschließend mit einem klaren „nein!“ beantworten.

Mir, jedenfalls, tat es sehr gut, in Köln bei dieser jecken Veranstaltung an den Start zu gehen. Der offensichtliche Grund hierfür sind neben dem vielen leckeren Essen, das auch für meinen exklusiven Geschmack sehr viele Möglichkeiten bot, die vielen lieben Menschen, die beim Kölnpfad wiedergetroffen oder kennengelernt habe: Allen voran natürlich unser jeckes Quartett bestehend aus dem Pfadsucher, mir und der Dürener Connection hinter dem Pussy-Run. Aber auch mit vielen anderen Menschen habe ich mich vor dem Lauf, während des Laufs auf der Strecke oder an den VPs oder in der Zeit nach dem Lauf und vor dem großen Essen, oder während des großen Essens hervorragend unterhalten können. Ein Erlebnis, das für mich immer eine große Bereicherung darstellt.

Einen weiteren Grund, der für Außenstehende vielleicht eher im Verborgenen bleibt, möchte ich hier auch an prominenter Stelle genannt wissen: Der Lauf ist einfach mit sehr viel Liebe und auch Achtsamkeit organisiert. So wird versucht, durch das Weglassen von Einwegplastikbechern und durch den Gebrauch von kompostierbaren Tellern und von kompostierbarem Besteck die Belastung für die Umwelt zu minimieren. Diese Haltung setzt sich auch bei der Wahl des Essens und bei der größe der Getränkebehältnisse fort. (Klar, wenn ich meinen eigenen Becher mitbringen muss, dauert das mindestens fünf Sekunden länger. Aber bei den wenigsten Läufer*innen kommt es bei einer Streckenlänge von hier mindestens 75 Kilometern auf die paar Sekunden an.) Weiter räumen die Veranstalter den Menschen, die hier für einen guten Zweck teilnehmen, einen besonderen Platz ein, um ihr Projekt vorzustellen – nicht nur in den Startunterlagentaschen sondern auch bei der Sieger*innenehrung. Hier wurde insbesondere das Projekt Papillon für Kinder krebskranker Eltern vorgestellt¹. Auch die Haltung des Orgateams gegenüber allen Beteiligten insbesondere auch gegenüber ihrem Helfer*innenteam wirkte auf mich nachhaltig positiv; eine Haltung aus der tiefe Dankbarkeit sprach. Schließlich bleibt es bei so einer großen Veranstaltung mit rund 200 Teilnehmenden nicht aus, dass bei den Nahrungsmitteln Reste übrigbleiben. Diese haben Tom und Thorsten an die Tafel gespendet. Diese Grundhaltung, die das Orga-Team an diesem Wochenende gezeigt hat, empfinde ich als vorbildlich und bin froh, dass ich das so miterleben durfte.

Der nächste Grund, warum mir das Wochenende am und auf dem Kölnpfad sehr gut getan hat, ist – mal wieder – die Begeisterung und Einsatzbereitschaft des gesamten Teams an der Strecke. Es ist jedes Mal wieder der Wahnsinn diese Menschen zu erleben, die einen großen Batzen ihrer Freizeit opfern, um den verrückten Menschen auf der Strecke zu helfen, ihnen beizustehen und alles in ihrer Macht stehende zu tun, die Verrückten in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Mit welcher guten Laune und welchem Wohlwollen sie das machen, erfüllt mich jedes Mal aufs Neue mit Verzücken.

Weiter klingt der Kölnpfad zunächst einmal nach einer relativ ungefährlichen Sache (sehen wir mal von den Kilometerzahlen ab, die für die meisten Menschen schon sehr verrückt klingen). Tatsächlich sprechen die Zahlen der Aussteigenden  aber eine andere Sprache: über fünfzig Prozent auf der 100-Meilen-Strecke. Die Rohdaten verleiten vielleicht ein wenig dazu, den Kölnpfad zu unterschätzen, und so gibt es doch sehr viele, die hier an ihre Grenzen stoßen, egal ob sie sich für die 100 Meilen, die jecken 10 x 11 Kilometer oder die Nachtschicht (75 Kilometer) entschieden haben. Einige erreichen diese früher als gedacht und kämpfen dann, um die Grenzen doch noch ein wenig hinauszuschieben, andere wachsen tatsächlich über sich hinaus. Lange hat es mich in der Nacht nicht im Zelt gehalten, zu groß war am Morgen der Drang, jene zu empfangen, die sich durch die letzte Nacht gekämpft hatten, ihnen zu ihrer Leistung zu gratulieren, die sicherlich mehr Täler gesehen hatten als ich an diesem Wochenende.

Zur Strecke des Kölnpfads können andere Menschen ganze Bücher schreiben. Wie ich inzwischen weiß, ist sie mit sehr viel Liebe zum Detail ausgesucht worden und zeigt neben vielen schönen Stellen in der Natur auch sehr viele Orte, die einen Teil der bewegten Geschichte dieser Stadt offenbaren. Während des Laufs blieb mir diese Einsicht jedoch leider verborgen. (Vielleicht muss ich diesen Lauf ja mal in Begleitung eines Kölner Menschen absolvieren.) Andere Menschen, die einen größeren Bezug zu Köln haben, können sicherlich auch in größerer Begeisterung davon vorschwärmen, wie grün der Lauf doch ist, obwohl die Strecke sich nie wirklich weit von der Zivilisation entfernt. Doch da, so bin ich ehrlich, stehe ich mehr auf die kleinen wirklich schmalen Pfade, die sich durch die Felder und Wälder schlängeln. Zugegeben, wir hatten auch viel Dunkelheit und auch der Tag war mit dem vielen Regen nicht besonders freundlich, auch wenn es sich unter dem kleinen Knirps, den ich eigens dafür mitgenommen hatte, sehr gut aushalten ließ. (Vom Quasi-Profi zum ersten Mal gehört, nun beim STUNT bei Stefan erneut gesehen und endlich übernommen. Ein kleiner Knirps ersetzt im Regen (ohne Sturm) eine teure Regenjacke locker.) Vielleicht lag es auch an der grandiosen Unterhaltung, dass ich vom Weg selbst nicht so viel wahrgenommen habe. Ein paar Sachen jedoch, bleiben mir als Bilder in Erinnerung und die sind eigentlich ganz schön.

Ein kleiner Hinweis noch für diejenigen unter euch, die den Kölnpfad mal laufen wollen: Es ist sehr hilfreich, für die Wegfindung ein GPS-Gerät dabeizuhaben, mit dem ihr umgehen und nach dem ihr laufen könnt. Es gibt doch ein paar Stellen, an denen die Chance, sich zu verlaufen, recht hoch ist, insbesondere wenn in der Nacht neben der schlechten Sicht auch noch die Müdigkeit hinzukommt.


¹ Das Projekt Papillon unterstützt die Kinder krebskranker Eltern. Diese tragen auch einen Teil der Last, die die Eltern durch die Krankheit schultern müssen. Allerdings haben sie, da sie ja nicht selbst krank sind, weniger Anlaufstellen und Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten. Diese Problematik soll hier angegangen werden.

 

Der erste Streich: STUNT 100

So ist er nun vollbracht, der erste Streich. Viele von euch haben uns Glück gewünscht und die Daumen gehalten. Einige von euch haben sogar bis tief in die Nacht den Live-Ticker des Veranstalters (den ihr noch nachlesen könnt) verfolgt. Vielleicht gibt es sogar welche unter euch, die auf einen Bericht oder die Geschichten vom STUNT warten. Die meisten hoffen vermutlich einfach darauf, nicht mehr so viel von uns lesen zu müssen. 😉 Diese wollen wir mit diesem Beitrag enttäuschen. Für erstere wollen wir hier den Versuch wagen, die vielschichtige Geschichte des STUNT 100 anzureißen:

Ein epischer Lauf ins Ungewisse

Epische Musik, die das obligatorische Briefing einläutet. Hells Bells von AC/DC oder For Whom the Bell Tolls von Metallica. Ein Abschiedslied, wenn die Läufer und Läuferinnen sich zum Start begeben, kurz bevor sie sich ihrer vielleicht letzten Herausforderung widmen. Conquest of Paradies von Vangelis, das als Abschiedslied von Henry Maske gespielt wurde. Vielleicht auch eines der Lieder von Hans Zimmer – Lost But Won – das die Läufer und Läuferinnen auf das Bevorstehende einstimmt. Im Anschluss, wenn wir der Gefallenen gedenken und die Überlebenden auszeichnen, wird dann Adiemus von Karl Jenkins gespielt, oder Now We Are Free ebenfalls von Hans Zimmer, wie wir es vielleicht noch von Gladiator kennen. Wir haben eine ungefähre Ahnung davon, wie ein episches Laufwochenende aufgebaut werden sollte. Der STUNT 100 in Sibbesse braucht all dies nicht. Diejenigen, die hierhinkommen, haben auch so schon eine Ahnung von dem, was auf sie zukommt. Der Veranstalter Hansi hat sie alle einzeln von Hand ausgesucht und das ist auch gut so: Denn der STUNT 100 hat sich – so müssen wir es zugeben – mit allen Wassern gewaschen und verlangt allen Beteiligten einiges ab und schenkt ihnen zugleich sehr vieles.

Den Kampf, den es bedeutet, können wir euch hier jedoch nicht vorwegnehmen. Auch dieses Gefühl von Abenteuer, wenn es nachts über den Külf geht, können wir hier weder adäquat in Worte fassen, noch werden ihm die Bilder gerecht. Ebensowenig das Gefühl ständig dem dunklen Turm ausgesetzt zu sein. Auch das Gefühl der helfenden Hände am Rand, die alles tun, um dich voran zu tragen und dich für deine Aufgabe zu wappnen, die gleichzeitig aber hilflos sind; denn tragen können sie dich nicht – so wie der weise Mann im Film, dem nicht mehr verbleibt, als dem jungen Krieger das magische Schwert zu überreichen, ihm ein paar Hinweise zu geben und dann in die Schlacht ziehen zu lassen. Das müsst ihr selbst erleben.

Darum gehen wir nun zu einer anderen Geschichte über, die an diesem Laufwochenende geschrieben wurde. Denn irgendwie sind Hansi dort, trotz aller Mühe zwei Gestalten in seine Starter*innenliste geraten, die – um noch für einen Moment bei den Liedern zu bleiben – eher nach Entry of the Gladiators von Julius Fucik klingen: Tim und Struppi oder wie sie während des Laufs liebevoll vom Team des Veranstalters genannt wurden wahlweise „die Partygang“, „das laufende Stimmungsnest“ oder die „Spaßgang“, die „die Versorgungsstationen plündernd durchs Leinebergland läuft und gute Laune verbreitet“.

Die Spaßgang

Diese Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Wir haben das gemacht, was wir am besten können: Über lange Distanzen essen und Klamauk machen. Dabei könnt ihr uns aber so regelmäßig erleben, dass wir das hier gar nicht weiter ausbreiten müssen: Entweder ihr kennt uns oder ihr lernt uns noch kennen oder das Schicksal meint es gut mit euch. Ob wir unser Ziel, den Verpflegungsstandaufenthaltsrekord vom vergangenen Jahr zu brechen, wissen wir leider nicht. Wir haben uns aber alle Mühe gegeben. Wir müssen uns an dieser Stelle aber sehr ausdrücklich bei Susanne, Matze und seiner Tochter entschuldigen: Aufgrund der hereinbrechenden Nacht hatten wir die Augen zu stark auf Sibbesse gerichtet, um euren VP in dem Moment richtig zu würdigen. Nur acht Minuten waren wir bei euch! Das tut uns sehr Leid und wir werden im nächsten Jahr alles daransetzen, euch die verpasste Zeit zurückzugeben (Sorry, Hansi.). Eure wunderbare Versorgung und die ganzen liebevollen Kleinigkeiten haben wir dennoch mit uns mitgenommen und uns auf den nächsten Kilometern von ihnen beflügeln lassen!

Die Photo-Love-Story: Frankie Goes to Sibbesse

Frankie! Im letzten Jahr Teil des glorreichen Triumvirats hat Frank sich in diesem Jahr der Vernunft gebeugt und verletzungsbedingt pausiert. Da wir nicht ganz ohne ihn laufen wollten… Seht einfach selbst:

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(Das letzte Bild haben wir ganz dreist von der STUNT100-Homepage übernommen. Das Copyright dafür liegt vermutlich bei [wenn ich mir Namen richtig merken könnte] Susanne.)

Das Comeback

Ohne ihn hätten der Pfad- und der VP-Sucher sich sicherlich nicht so ohne weiteres kennengelernt. Ohne ihn wären wir wahrscheinlich auch nicht so wirklich in diese Ultralaufszene hereingerutscht. Der Mensch, der sich hier bei den Kommentaren würdig „der alte Mann“ nennt, ist sicherlich so etwas wie unser beider Lauf-Papa. Durch ihn haben wir auch zum STUNT gefunden. Nun hatten wir ihn für dieses Wochenende noch einmal zurück auf die lange Strecke geholt. So sollte sich der Kreis schließen. Diese Geschichte können wir andernorts erzählen – oder ihr fragt ihn selbst. Eine Sache vom STUNT gibt es hier aber noch, die für uns doch die Menschen in der Ultra-Laufszene auszeichnet und die wir hier wiedergeben wollen: Wo sonst halten die Menschen mitten in dem, was einige als Wettkampf betiteln wollen, inne und rufen den Veranstalter an. Sie stehen mitten im dunklen Wald, genießen das Spektakel, das hunderte Glühwürmchen, die den Wegesrand säumen, ihnen bieten und haben einfach das Bedürfnis, dieses Erlebnis mit jemandem  zu teilen.

Danke, Helmut, dass du dich für uns oder durch nochmal zu dieser Ausnahmeaktion hast hinreißen lassen! Wir verneigen uns.

Die wahren Held*innen

Auf dem Finisher-Photo des STUNT 100 2017 sind neun Menschen zu sehen, die – auch wenn sie sicherlich zum Teil einiges durchgemacht haben – im Wesentlichen ein so schönes Urlaubswochenende geplant hatten, dass sie sogar bereit waren, Geld dafür zu bezahlen. Sie alle sind an diesem Wochenende sicherlich mehr gelaufen als der Durchschnittsmensch. Sie haben vielleicht auch ein wenig Respekt oder Mitleid verdient, wenn wir uns überlegen, welchen Quatsch sie sich für das Wochenende ausgesucht haben. Die wahren Helden und Heldinnen dieses Wochenende tauchen aber auf dem Bild nicht auf: Das ganze Versorgungsteam des STUNT 100 fehlt. Dabei sind dies die Menschen, die alles in ihrer Macht stehende getan haben, um die Verrückten zu unterstützen. Sie werden viel zu oft vergessen, aber ohne sie und ihren freiwilligen Einsatz mit vollem Herzblut wäre am ganzen Wochenende nichts gelaufen. Für uns seid ihr die wahren Heldinnen und Helden. Ihr wisst, was ihr alles getan habt und dazu können wir, während wir uns demütig verbeugen, nur eines sagen: Danke! Schön, dass ihr da wart! Die Geschichten, die ihr erlebt…

Die Familienfeier

Die Geschichte des STUNTs ist auch die Geschichte einer großen Zusammenkunft einer etwas größeren kleinen Familie. Die wenigsten Menschen dort haben wir uns gezielt ausgesucht oder aussuchen können, aber bei allen sind wir froh, dass sie da sind, und irgendwann – so sagt es der Pfadsucher – kommt der Punkt, an dem wir nicht nur für uns sondern auch für sie laufen. Denn jeder einzelne dieser Menschen trägt auf seine ganz eigene Weise etwas ganz Besonderes zu dieser Feier bei, trägt uns ein Stück weit mit und für jeden einzelnen dieser Menschen hätte ich zumindest eine kleine Geschichte parat, die ich mir in guter Erinnerung behalten möchte. Einige davon werden bestimmt sehr lange begleiten, werden aufbewahrt wie kostbare Schätze und ausgepackt, wenn wir in dunkler Nacht verloren auf einem einsamen Trail stehen. Weißt du noch… ?

Photos haben wir wie immer ein paar zusammengestellt: Der Pfadsucher und Der VP-Sucher. (Leider wissen wir noch nicht, wie wir daraus ein einziges Album machen.) Dabei sind auch die Bilder aus der Frankie Goes to Sibbesse-Love-Story in höherer Auflösung.

STUNT100 2017 – der Weg zum zweiten Stern

Wir sind dann mal unterwegs beim STUNT100.

Wir freuen uns schon sehr darauf. Der Lauf wird geprägt sein von viel einsamer Zweisamkeit, vor allem aber durch ein super Team am Sportplatz und am Wegesrand. Alle paar KM werden wir wieder empfangen werden als gehörten wir zur Familie. Irgendwann kommt der Punkt an dem wenig gehen wird. Aber in diese Momenten läuft man dann nicht nur für sich, sondern auch für die Menschen, die am nächsten VP warten und sicher traurig wären, wenn man nicht mal auf ein kurzes Gespräch vorbeikommt.

Wir sind vorbereitet:

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Leider ist Frank dieses Mal nicht dabei – aber irgendwie wollten wir ihn doch mit dabei haben:

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Wir laufen den einfach für dich, lieber Frank.

Auf Live-Updates von uns unterwegs möchte ich verzichten – das Internet im Wald… Und außerdem soll man sich ja auf die Sachen, die man so tut, voll und ganz einlassen. Wird auch sicher nötig sein!

Hier wird es ein paar Live-Updates vom Veranstalter geben!

Auf bald!

 

Der Doppelschlag.

Zum Abschied sagen wir leise: bis dann. In den nächsten zwei Wochen wird viel passieren. Ob und wann wir Zeit haben werden, darüber zu berichten, steht in den Sternen (und zwei davon müssen wir uns erst noch abholen). Es gibt viel von dem wir uns werden verabschieden müssen: von unserem Verst.. unserer Vernunft, von des Pfadsuchers 20.000tem Kilometer seit Beginn der GPS–Wetteraufzeichnung im September 2010, von des VP-Suchers alten Schuhen, von unserem voerst letzten gemeinsamen Laufhalbjahr und nicht zuletzt schweren Herzens von der Regenerationsempfehlung nach Wettkämpfen von Runnersworld (einen halben Tag je Wettkampfkilometer). Wir fürchten uns insgeheim auch vor den Konsequenzen bzw. den Folgerungen, die zu ziehen wären, wenn die nächsten zwei Wochen gelingen sollten. Aber Vernunft Angst ist bekanntlich ein guter schlechter Ratgeber.

Oft werden wir gefragt: Wie und wieviel trainiert ihr eigentlich für einen Lauf über 100 Meilen? Wir möchten dies hier abschließend beantworten mit: gar nicht. Wir dürfen uns darüber aber auch einfach kein Urteil erlauben – zu viele Fehler haben wir allein im ersten Halbjahr 2017 gemacht. Im Januar ging es mit guten Vorsätzen fürs NEUe Jahr nach Düren zu Stefan. Ist diese Runde meistens gut für witchtige Tipps und einen erfolgreichen Saisonstart, sind wir drei Wochen später schon wieder so richtig untergegangen an der Küste. Dafür haben wir im Februar mit der schlechtesten Zeit bei der dritten mAMa-Ausgabe direkt die Quittung bekommen. Im März sollte vieles besser werden: Mehr Training und nicht immer nur zu zweit durch die Gegend eiern – aber am Ende hatte wieder nur Hermann Zeit, der nicht mal wirklich Hermann sondern Armin hieß. Die Fehler im März haben wir im April schon deutlich gespürt: Kreislauf-Probleme… Im Mai haben wir versucht, zu retten, was zu retten ist: Wenigstens einmal um die Stadt schaffen und dann haben wir uns danach doch direkt wieder in der Hitze des Gefechts verrannt.

Jetzt stehen wir relativ blöd da. Eine Woche vor dem Doppelschlag mit einem Halbjahr voller Fehlern als Ballast im Gepäck. Das einzige, was wir jetzt noch aufladen können, sind die Batterien unserer GPS-Geräte und Stirnlampen. Am 24.06. stehen wir für den zweiten Stern beim STUNT100 am Start. Es wartet die Einsamkeit. Hoffentlich nutzt uns da wenigstens die Erfahrungen vom letzten Jahr und der dort erworbene Stern etwas, die sollen ja bekanntlich unverwundbar machen. Genau eine Woche später zum Ende dieses oder zur Begrüßung des neuen Halbjahres geht es dann nach Köln. Wenigstens wissen wir aus erster Hand, dass die Parkbänke dort bequem und in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Drückt uns einfach die Daumen, wenn ihr mögt. Vielleicht gibt es mal ein kurzes Update hier und da, für (längere) Be(r)ichte wird irgendwann später Zeit sein. In Köln werden wir Live im Internet (oder wenn ihr langsam genug schleicht auch direkt auf der Strecke) verfolgbar sein. Ihr werdet also jederzeit sehen können wo wir sind und was wir tun. Den Link dazu gibt es hier, sobald es losgeht. Ein Aufruf an alle in der Nähe wohnenden: Kommt doch einfach mal vorbei und besucht uns an der Strecke – wir freuen uns über euch!

In diesem Sinne: Wir gehen jetzt dort hin, wo es Chips gibt weh tut.

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Einladung: Mermaid-Marathon

Ursprünglich ob des Namens im Dauerregen geplant, gibt es jetzt eine vermutlich regenfreie Ausgabe – dafür im Dunkeln. Es geht wieder an einen Fluss. Diesmal eher an einen Bach – den Merzbach.

Die Bedingungen des Flusslaufens sind ja fast schon historisch gewachsen: wir fahren mit dem letzten Zug (dieses Mal müsste man korrekterweise sagen: mit der letzten zumutbaren Kombination an Zügen) nach Linnich, wo der Merzbach in die Rur mündet. Dann gehts munter flussauf, bis der Merzbach nach ca. 31 km in der Nähe von Sankt Jöris irgendwo an der A4 aus einem Teich entspringt (laut Karte). Klingt extrem romantisch, oder?

Immerhin hat der Bach einen Wiki-Eintrag! Da steht das alles auch noch einmal viel besser beschrieben.

Da es nachts irgendwie blöd ist im Nichts stehen zu bleiben laufen wir bis Aachen weiter. Sind dann bis Burtscheid/HBF ca. 45 km. Und das Beste ist: wir machen das an einem Mittwoch vor einem Feiertags-Donnerstag. Besser gehts nicht.

Ihr seid alle herzlichst eingeladen. Besonders für Aachener/Dürener/Rund-um-Aachener ein wunderbares Angebot. Und hier kommen schon die Daten:

  • Datum: Mittwoch 14.06.2017
  • Startzeit in Linnich: 22 Uhr
  • Abfahrt Aachen HBF: 20:51 Gleis 2 (Treffen 20:40), Abfahrt Düren: 21:21 Gleis 23
  • Laufzeit: ca. 6-7 Stunden (bis ca. 04/05:00) für 45 km
  • Laufstrecke: hier!
  • Verpflegung: keine (jede*r is(s)t, was sie*er tragen kann)
  • Art der Veranstaltung: privater Gruppenlauf. Keine Haftung, keine Hoffnung, keine Kosten, keine Kompromisse 🙂
  • Was brauche ich?: genug Lumen nach persönlichem Geschmack, wenig Humor, nen Rucksack mit Wasser und Essen für eine laue Sommernacht und 6-7 Stunden Laufen ohne Support (tiefste Temperatur = 15°C).
  • Alles klar ich bin dabei: meld Dich kurz per Mail an: info.pfadsucher@posteo.de
  • Sonstiges: Bei einer Anreise aus der Ferne empfehlen wir die Anreise per Fahrrad/Auto nach Aachen. Feiertags um 04:00 Uhr morgens wird die Abreise sonst kompliziert. Oder wir vertreiben uns die zwei Stunden bis 06:00 Uhr noch im Aachener Wald bis die ersten Züge fahren ;)!

Startliste:

  1. VPsucher
  2. Pfadsucher
  3. Beri + Begleitung
  4. Beri + Begleitung
  5. Inga

Unbekannte Orte

Klar, den Platz in der Reisetasche der von den Laufsachen belegt wird, könnte man sicher für viele tolle Sachen nutzen… Aber wer würde schon ernsthaft einen neuen Ort besuchen ohne die Chance auf einen Lauf zu haben? Wo es doch keine bessere Möglichkeit gibt, neue Orte wirklich kennen zu lernen.

Die Vorfreude bei der Streckenerstellung ist meist schon enorm:

Die Freude sich dann von der Uhr leiten zu lassen, dabei dann endlich die Realität zu sehen und sich einfach treiben zu lassen in dem Meer von neuen Eindrücken bleibt unbezahlbar:

 

Sisyphos für einen Tag: Noch rollt der Stein.

In seinem 1942 erschienen Essay Le mythe de Sisyphe oder zu Deutsch Der Mythos des Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde beschäftigt sich Albert Camus mit der Absurdität des Seins. Dieses Absurde entsteht für ihn durch das (wir nehmen an dieser Stelle dankend die Formulierung des deutschen Wikipedia-Artikels) Spannungsverhältnis zwischen der Sinnwidrigkeit der Welt einerseits und der Sehnsucht des Menschen nach einem Sinn bzw. sinnvollem Handeln.

Für Camus gibt es drei aufeinander folgende Stufen der Absurdität:

  1. ihre Erkenntnis,
  2. ihre Annahme,
  3. die aufbegehrende Revolte.

Dabei kann der Mensch sich erst in der aufbegehrenden Revolte selbst verwirklichen und somit zur Freiheit finden. Hier sieht Camus dann die Figur des Sisyphos, dessen Tun gerade in seiner äußersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint. Darin, so Camus, besteht die verborgene Freude des Sisyphos:

Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf.

Während der Kalendertag sich nun dem Ende entgegenneigt, stecken wir noch immer in der Rolle des Sisyphos. Sein Stein ist unser unser VP. Jedes Mal, wenn wir gerade aufgegessen haben, sind wir auch schon wieder dort. Wir haben es uns so ausgesucht.

Noch rollt der Stein.

Wenn Du, lieber Leser oder liebe Leserin, in dieser langen Dezembernacht an uns denkst, dann folge einfach Camus und freue dich mit uns:

Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

Sisyphos

(Die deutschsprachigen Zitate von Camus stammen jeweils aus Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, deutsch von Vincent von Wroblewsky. Rowohlt, Reinbek 2000; das Bild zeigt die Sisyphos-Darstellung Tizians)