Eindrücke

06.01.2016: I just felt like running!

“Wovor läufst du eigentlich davon? Vor deinem Leben, deiner Familie, deinem Job?” Es scheint viele Menschen wirklich zu beschäftigen, was hinter der vielen Lauferei steckt. Sie suchen einen Grund und gehen davon aus, dass es da etwas sehr Problematisches geben muss, welches diese Flucht rechtfertig oder nötig macht. Die Antwort auf mein persönliches “Warum?” habe ich an anderer Stelle schon gegeben. Darum soll es hier nicht gehen. Es gibt nur noch einige Dinge die dazu zu sagen wären. Die Grundannahme, es habe direkt mit einer Flucht vor dem eigenen Leben zu tun, ist für mich grundfalsch. Diese Art des Laufens ist für mich schwer vorstellbar ohne die Unterstützung von Familie, Freunden und dem richtigen Umfeld. So fühlt sich das zumindest für mich an – Danke dafür! Zumindest einigen mir bekannten Läufern geht es da sehr ähnlich. Der Gedanke das Support sich immer lohnt und oft das Mögliche erst erreichbar macht, hat sich tief im Kopf festgesetzt.

Was schon eher in die richtige Richtung geht ist die Annahme, dass das Laufen ein Ausgleich ist. Ein Ausgleich für die diverse Anstrengungen, die der Alltag nunmal bereithält. Laufen ist für mich sicher auch eine Inspiration. Nichts ist besser als ein paar Stunden im Wald herumzuirren um den Kopf für neue Ideen zu leeren. Das einzige “Problem” dabei: sind die richtigen Läufer dabei, drehen sich diese Ideen oft nur um die nächsten läuferischen Missetaten.  Irgendwer hat mal so etwas gesagt wie: “Wenn du nach einem anstrengenden 3-Stunden-Lauf keine Antwort auf deine Frage gefunden hast, dann gibt es keine”. Das kann ich so unterschreiben!

Obwohl es gerade im Moment im öffentlichen und politischen Geschehen in Deutschland und der Welt meiner Meinung nach viele Dinge gäbe, vor denen es sich lohnen würde davon zu laufen, bleibt das Laufen für mich doch positiv besetzt. Es ist kein Davonlaufen. In den seltenen Fällen, in denen das Ziel definiert ist, ist es ein Laufen für genau dieses eine Ziel (meist ein Bogen in der Landschaft, oder ein einfacher Strich auf dem Boden, oder auch ein Stück Metall an einem Fluß). Meist ist es aber einfach das am leichtesten zu erreichende Stück Glück am Ende oder vor einem langen Arbeitstag. Um dorthin zu gelangen ist es nur notwendig die Schuhe zu binden und sich zu bewegen. Einfach und leicht.

Das Gefühl der Ratlosigkeit angesichts der besorgen Nachfragen ist sicherlich in “Forrest Gump” am besten wiedergegeben:

  • “NEWSMAN: Sir, why are you running?
  • 1ST REPORTER Why are you running?
  • 2ND REPORTER Are you doing this for world peace?
  • 3RD REPORTER Are you doing this for women’s right?
  • NEWSMAN Or for the environment?
  • REPORTER Or for animals?
  • 3RD REPORTER Or for nuclear arms?
  • FORREST (V.O.) They just couldn’t believe that somebody would do all that running for no particular reason.
  • 2ND REPORTER Why are you doing this?
  • FORREST I just felt like running.“

06.04.2015: All about the trails!

Oft werden Trailläufer gefragt, ob sie mit ihrer Tätigkeit nicht den Wald zerstören und Flora und Fauna auf ewig vertreiben würden. Nichts liegt uns ferner. Wir treten keine neuen Pfade, wir nutzen lediglich die kleinen aber feinen Wege, die ihr zu faul seid zu benutzen. Wir haben Verwendung für verlassene Mountainbike-Strecken, füllen alte Auto/Trecker/Panzerspuren mit neuem Leben und kennen einfach jeden noch so kleinen Wanderweg. Dabei benehmen wir uns wie es sich im Wald gehört. Wir schreien nicht grundlos rum und wir hinterlassen keinen Müll! Das einzige was von uns bleibt sind ein paar Fußspuren im Waldboden. Wir lieben und respektieren die Natur, sie gibt uns das was  uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Hier mal eine kleine Unterteilung der Trails wie ich sie so erlebe:

Kategorie 1: für Träumer

  • Gemeint sind hier die Passagen, wo der Boden ausnahmsweise eben ist und der Untergrund sehr weich. Tannennadeln zum Beispiel. Oder weiche Wiesen. Oder lockerer Waldboden. Orte die sehr ruhig sind und einen ganz eigenen Zauber besitzen. Am besten sind diese Passagen zu genießen, wenn die Sonne die Erde erwärmt. Das Laufen fällt mit einem Mal sehr leicht und am liebsten würde man die Augen schließen und die Arme ausbreiten. Es ist so ein wenig das Gefühl vom Fliegen, von endloser Weite und müheloser Freiheit. Wenn die Angst vor der nächsten Wurzel die Augen nur nicht immer offen halten würde …

Kategorie 2: Wasserspiele

  • Ach, Trails am Bach oder Fluss. Jeder, der die Trails liebt, braucht nur die Augen zu schließen und schon ziehen die unterschiedlichsten Bäche und Flüsse vorm inneren Auge vorbei. Wasser ist so eine Sache. Die Meinungen gehen weit auseinander. Trails am und durchs Wasser sind auf jeden Fall zu jeder Witterung spannend. Jeder Schritt ein Treffer. Es gibt nichts schöneres und beruhigenderes als am Wasser unterwegs zu sein und doch sind auch bei den besten Vorsätzen die Füsse sehr sicher nass. Paradebeispiel ist sicher die mAMa-Passage an der Inde. Wem noch die Bilder dazu im Kopf fehlen, schaut in Stefans Video rein und genießt ab Minute 11! Das wunderbare an Bachtrails ist: egal wie kleinlich ein Läufer vorher war, irgendwann kommt der Punkt wo gilt: ist der Schuh erst ruiniert, läuft es sich recht ungeniert. Spaß ist also garantiert am Wasser!

Kategorie 3: Up- und downhill

  • Jeder kennt diese schönen Wege am Berg oder Hügel, die sich in engen Kurven steil den Berg hochwinden. Genau die sind nicht gemeint. Aus purer Boshaftigkeit gibt es an vielen Stellen auch Pfade, für die das Wort „direkt“ erfunden wurde. Jedes mal geht mir durch den Kopf das Effizienz nicht unbedingt immer und überall die endgültige Weisheit ist. Es sind die Pfade auf denen plötzlich klar wird, warum es sowas wie Steigeisen und Sicherungsseile gibt. Auf denen „auf allen Vieren“ oft eine hervorragende Idee ist. Nichts ist befriedigender, als oben zu stehen, runter zu gucken und sich sicher zu sein den kürzesten Weg gefunden zu haben. Und doch bleibt das flaue Gefühl, spätestens wenns an den Abstieg geht. Es gibt ein paar Stellen in den Aachener Hügeln, die ich tatsächlich lieber betrete, wenn noch jemand dabei ist…

Kategorie 4: die Vergessenen und Geheimen

  • Eine echte Spezialität. Meist weiss man nach 2 Metern schon, warum dieser Weg verlassen wurde, oder ist sich sicher, das es mindestens 20 Jahre her sein muss, seit der letzte Mensch da war. Aber wofür gibt es 30 Jahre alte Karten, auf denen der Weg sogar einen Namen hatte? Grund genug ihn zu bewahren. Oft beginnen diese Geheimtipps der Trails versteckt hinter Büschen, Bäumen oder anderen Hindernissen. Sie ermöglichen das Gefühl, Pionier und Bewahrer zu sein. Einen solchen Trail gefunden zu haben, erfüllt mich immer mit tiefer Freude. Ein Stück Wald, das benutzt und vergessen wurde und jetzt ganz allein mir gehört. Perfekt wird es dann, wenn sich diese Stücke gut mit anderen Lieblingsstrecken kombinieren lassen.

Kategorie 5: Echt jetzt?

  • Jeder Trailläufer kennt sicher das Gefühl: wie krass war das denn jetzt gerade? Momente, in denen man sich kurz schütteln muss um zu glauben wo der Weg gerade lang geführt hat. Egal ob es die Art des Weges oder die Beschaffenheit ist – ab und an wird man mit Bedingungen konfrontiert, die man nicht für möglich und noch weniger für machbar gehalten hätte. Die instinktive Reaktion darauf ist: nochmal!

Es bleiben ein paar ewige Regeln:

  • Wie das Wetter der vergangenen Tage war, lässt sich am Zustand des Trails am besten beurteilen (meistens fällt einem dann ein, das es ja geregnet hat).
  • Wenn du keine Kratzer hast, war es kein Trail!
  • Von den besten Trails sieht man nur die nächsten 2 Meter!
  • Im Winter gibt es deutlich mehr Trails als im Sommer!

To be continued…


24.03.2015

Sonnenaufgänge

Es ist doch sehr kalt draussen. Eigentlich eine blöde Idee, das Bett so früh zu verlassen. Und das alles nur um vor der Arbeit noch ein paar KM abzureissen. Der Himmel ist außergewöhnlich klar und ruhig – die Dämmerung schon in vollem Gange. Die schlafende Stadt schält sich langsam aus dem eintönigen Schwarz. Alles wirkt leer, kalt und einsam. Zeit sich der Natur zuzuwenden und vor der grauen Stadt zu fliehen.

Die ersten Berge im Wald , unzählige singende Vögel. Jeder hat im Wald so seine Lieblingsstrecken. Bei der Streckenplanung vom Vorabend ist mehr oder weniger durch Zufall die Entscheidung auf den Trail am Waldrand gefallen. Und dann passiert es. Genau in dem Moment wo der höchste Punkt des Waldes genommen ist und sich eben dieser Trail vor die Füße legt, geht die Sonne auf. Rot und riesig. Wir sind zu zweit unterwegs an diesem morgen und sofort verstummt unser Gespräch. Die nächsten Minuten wird einfach nur gelaufen, geschwiegen und genossen. Der wunderbare Weg und im Osten ein unglaublicher Sonnenaufgang. Es braucht keine Worte in diesen Momenten. Alles scheint von selbst zu gehen, das Laufen fühlt sich so natürlich und leicht an, dass es absolut keine Mühe bereitet und nur aus Spaß zu bestehen scheint. Nach einiger Zeit knickt unser Weg nach Westen ab, die Sonne ist nun im Rücken und der Wald vor unseren Augen. Die Stämme der Bäume leuchten blutrot und alles andere erscheint plötzlich unwichtig und klein.

Es ist die Kraft dieser Momente, diese Sprachlosigkeit vor den Wundern der Natur, die alles andere zwar unwichtig und klein erscheinen lässt, es damit aber nicht abwertet sondern es im Gegenteil dadurch erst wunderschön und vollkommen macht.

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