MerMaiD Marathon

Mit dem Merzbach stand endlich mal wieder ein Fluss auf der Laufagenda. Der war schon lange in der Planung, da in der Nähe und angenehm kurz um ihn auch spontan mal einzuschieben. Da hat sich der Feiertag bzw. die Nacht vor diesem ja geradezu aufgedrängt… Sehr erfreut waren wir darüber, dass trotz unserer kurzfristigen Ankündigung noch drei weitere Läufer mitkommen wollten. Und dann auch noch zwei davon, für gleich ganz viele Sachen neu waren: die Distanz, unsere Gesellschaft, die Nacht, unsere Art Strecken auszuwählen und die Art des Zusammenlaufens. Dazu gehört eine Menge Mut, aber wie wir sehen werden, wurde dieser am Ende auch belohnt.

Der Plan war dieses Mal sogar etwas angenehmer als die letzten Male. Da die Verbindung, die den letzten Zug nach Linnich enthielt etwas kompliziert (länger, häufiger Umsteigen) war, sollte der vorletzte Zug genutzt und damit etwas mehr Komfort in Kauf genommen werden. Zu fünft am Aachener Hbf stehend ging es dann direkt richtig stark los. Zugausfall. Umplanen, Schienenersatzverkehr in Kauf nehmen und eine Stunde später, dafür aber mit dem wirklich letzten Zug, in Linnich ankommen. Ein perfekter Start also. Für die Zukunft bleibt nur festzuhalten: Nehmt IMMER den LETZTEN Zug. Start war also um 23 Uhr in Linnich. Leider führte die einstündige Verspätung dazu, dass Stefan, der uns einen Überaschungsbesuch abstatten wollte, leider keine Chance hatte uns anzutreffen. Seine Geschichte erzählt in seinem Video sind aber trotz dieser traurigen Verkettung der Umstände wundervoll!

Kaum gestartet um 23 Uhr wurden wir in Linnich von der alljährlichen Kirmes empfangen. Die Strecke verlief direkt über den dafür verwendeten Platz. Ein wenig fehl am Platze fühlt man sich mit den Stirnlampen, den Rucksäcken und den Laufschuhen dann schon. Aber es gab dann auch die Gelegenheit die Toilettenwagen zu verwenden und ein bisschen Spaß zu haben. Der VPsucher hat sich jedenfalls eilig unter Partyvolk gemischt.

Der erste Teil der Strecke verlief dann so, wie ich die Planung noch im Kopf hatte und was mir der arg flüchtige Blick einen Tag vor dem Lauf suggerierte: Radweg an der Rur entlag bis zur Mündung des Merzbaches in diesen und dann unspektakulär immer in der Nähe desselben flussauf. Dachte ich. Bzw. war auch so. Die ersten paar km lang… Danach begann das, was häufig wie nicht die beste Idee aussah. In nächster Nähe am Fluss zu bleiben heisst beim Merzbach auf den ersten 20 km häufig durch meterhohes Gras, Brennesseln, Dornen und Disteln zu stapfen, sich durch Kornfelder zu schlagen und an Waldrändern entlang zu kämpfen. Irgendwie hätte ich es ahnen sollen. Für unsere nicht so daran gewöhnten Mitläufer sicher eine enorme Herausforderung. Aber insgesamt ein toller Track auf diesem Teil. Mit Privatgelände, Gatter, Zaun und Leitplanke oben drauf. Und natürlich der Biogasanlage mit Abfackelungseinrichtung des überflüssigen Gases. Sehr beeindruckend das alles. Dazu noch in einer sternenklaren und lauwarmen Sommernacht, die einen Mondaufgang von fast ungekannter Schönheit zu bieten hatte.

Leider passierte mit dem Ende der „Trails“ und nach ungefähr 20 km das unvermeidliche: ein Sturz auf Asphalt, der neben ein paar Schürfwunden auch einen stumpfen Schmerz im Knie des Besitzers hinterließ. Das Laufen war danach fast nicht mehr möglich. Es begann also die Nachtwanderung. Die Strecke war jetzt nicht mehr ganz so schön wie auf der ersten Hälfte. Das lag zum einen an der zunehmden Besiedelung und zum anderen an einigen längeren, im Gehen sehr, sehr langen Strassenpassagen ohne Bürgersteig. Hier müsste an der GPS-Datei noch gearbeitet werden, falls eine Wiederholung erfolgen sollte. Und doch blieb es eindrucksvoll. Die Straßen zum Glück des Nachts eher wenig befahren wurden zu endlosen Teerbändern in der unendlich langsamen Morgendämmerung. Nach der „kalten Stunde“ vor Sonnenaufgang kam mit den wärmenden Strahlen die Außenbezirke Aachens immer näher. Pünktlich mit dem Ende eines fantastischen Sonnenaufgangs erreichten wir Laurensberg und damit Aachen.

Unsere beiden mutigen und in einem Fall gestürzten „Neuen“ haben es zu Fuß von Linnich nach Aachen geschafft. Den ganzen Merzbach bezwungen, neue Laufweitenrekorde aufgestellt, neue Laufdauerrekorde aufgestellt, neue Ich-geb-nicht-auf-obwohl-mein-Knie-schmerzt Rekorde aufgestellt. Großartiger Kampf. Wandern ist oft unangenehmer als Laufen, 39 km sind sehr, sehr gut und die erste Nacht ist auch durchlaufen. Das Taxi war dann wohlverdient für die beiden. Wir verbliebenen drei sind die achte Stunde gemütlich nach Aachen hineingelaufen und damit dem Track bis zu seinem Ende gefolgt.

Es war eine denkwürdige Nacht. Mal wieder. Insgesamt waren es am Ende so ca. 48 gelaufene Kilometer.

Die Links zum Lauf zusammengefasst:

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