Der Doppelschlag.

Zum Abschied sagen wir leise: bis dann. In den nächsten zwei Wochen wird viel passieren. Ob und wann wir Zeit haben werden, darüber zu berichten, steht in den Sternen (und zwei davon müssen wir uns erst noch abholen). Es gibt viel von dem wir uns werden verabschieden müssen: von unserem Verst.. unserer Vernunft, von des Pfadsuchers 20.000tem Kilometer seit Beginn der GPS–Wetteraufzeichnung im September 2010, von des VP-Suchers alten Schuhen, von unserem voerst letzten gemeinsamen Laufhalbjahr und nicht zuletzt schweren Herzens von der Regenerationsempfehlung nach Wettkämpfen von Runnersworld (einen halben Tag je Wettkampfkilometer). Wir fürchten uns insgeheim auch vor den Konsequenzen bzw. den Folgerungen, die zu ziehen wären, wenn die nächsten zwei Wochen gelingen sollten. Aber Vernunft Angst ist bekanntlich ein guter schlechter Ratgeber.

Oft werden wir gefragt: Wie und wieviel trainiert ihr eigentlich für einen Lauf über 100 Meilen? Wir möchten dies hier abschließend beantworten mit: gar nicht. Wir dürfen uns darüber aber auch einfach kein Urteil erlauben – zu viele Fehler haben wir allein im ersten Halbjahr 2017 gemacht. Im Januar ging es mit guten Vorsätzen fürs NEUe Jahr nach Düren zu Stefan. Ist diese Runde meistens gut für witchtige Tipps und einen erfolgreichen Saisonstart, sind wir drei Wochen später schon wieder so richtig untergegangen an der Küste. Dafür haben wir im Februar mit der schlechtesten Zeit bei der dritten mAMa-Ausgabe direkt die Quittung bekommen. Im März sollte vieles besser werden: Mehr Training und nicht immer nur zu zweit durch die Gegend eiern – aber am Ende hatte wieder nur Hermann Zeit, der nicht mal wirklich Hermann sondern Armin hieß. Die Fehler im März haben wir im April schon deutlich gespürt: Kreislauf-Probleme… Im Mai haben wir versucht, zu retten, was zu retten ist: Wenigstens einmal um die Stadt schaffen und dann haben wir uns danach doch direkt wieder in der Hitze des Gefechts verrannt.

Jetzt stehen wir relativ blöd da. Eine Woche vor dem Doppelschlag mit einem Halbjahr voller Fehlern als Ballast im Gepäck. Das einzige, was wir jetzt noch aufladen können, sind die Batterien unserer GPS-Geräte und Stirnlampen. Am 24.06. stehen wir für den zweiten Stern beim STUNT100 am Start. Es wartet die Einsamkeit. Hoffentlich nutzt uns da wenigstens die Erfahrungen vom letzten Jahr und der dort erworbene Stern etwas, die sollen ja bekanntlich unverwundbar machen. Genau eine Woche später zum Ende dieses oder zur Begrüßung des neuen Halbjahres geht es dann nach Köln. Wenigstens wissen wir aus erster Hand, dass die Parkbänke dort bequem und in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Drückt uns einfach die Daumen, wenn ihr mögt. Vielleicht gibt es mal ein kurzes Update hier und da, für (längere) Be(r)ichte wird irgendwann später Zeit sein. In Köln werden wir Live im Internet (oder wenn ihr langsam genug schleicht auch direkt auf der Strecke) verfolgbar sein. Ihr werdet also jederzeit sehen können wo wir sind und was wir tun. Den Link dazu gibt es hier, sobald es losgeht. Ein Aufruf an alle in der Nähe wohnenden: Kommt doch einfach mal vorbei und besucht uns an der Strecke – wir freuen uns über euch!

In diesem Sinne: Wir gehen jetzt dort hin, wo es Chips gibt weh tut.

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I just felt like running.

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„Wovor läufst du eigentlich davon? Vor deinem Leben, deiner Familie, deinem Job?“ Es scheint viele Menschen wirklich zu beschäftigen, was hinter der vielen Lauferei steckt. Sie suchen einen Grund und gehen davon aus, dass es da etwas sehr Problematisches geben muss, welches diese Flucht rechtfertig oder nötig macht. Die Antwort auf mein persönliches „Warum?“ habe ich an anderer Stelle schon gegeben. Darum soll es hier nicht gehen. Es gibt nur noch einige Dinge die dazu zu sagen wären. Die Grundannahme, es habe direkt mit einer Flucht vor dem eigenen Leben zu tun, ist für mich grundfalsch. Diese Art des Laufens ist für mich schwer vorstellbar ohne die Unterstützung von Familie, Freunden und dem richtigen Umfeld. So fühlt sich das zumindest für mich an – Danke dafür! Zumindest einigen mir bekannten Läufern geht es da sehr ähnlich. Der Gedanke das Support sich immer lohnt und oft das Mögliche erst erreichbar macht, hat sich tief im Kopf festgesetzt.

Was schon eher in die richtige Richtung geht ist die Annahme, dass das Laufen ein Ausgleich ist. Ein Ausgleich für die diverse Anstrengungen, die der Alltag nunmal bereithält. Laufen ist für mich sicher auch eine Inspiration. Nichts ist besser als ein paar Stunden im Wald herumzuirren um den Kopf für neue Ideen zu leeren. Das einzige „Problem“ dabei: sind die richtigen Läufer dabei, drehen sich diese Ideen oft nur um die nächsten läuferischen Missetaten.  Irgendwer hat mal so etwas gesagt wie: „Wenn du nach einem anstrengenden 3-Stunden-Lauf keine Antwort auf deine Frage gefunden hast, dann gibt es keine“. Das kann ich so unterschreiben!

Obwohl es gerade im Moment im öffentlichen und politischen Geschehen in Deutschland und der Welt meiner Meinung nach viele Dinge gäbe, vor denen es sich lohnen würde davon zu laufen, bleibt das Laufen für mich doch positiv besetzt. Es ist kein Davonlaufen. In den seltenen Fällen, in denen das Ziel definiert ist, ist es ein Laufen für genau dieses eine Ziel (meist ein Bogen in der Landschaft, oder ein einfacher Strich auf dem Boden, oder auch ein Stück Metall an einem Fluß). Meist ist es aber einfach das am leichtesten zu erreichende Stück Glück am Ende oder vor einem langen Arbeitstag. Um dorthin zu gelangen ist es nur notwendig die Schuhe zu binden und sich zu bewegen. Einfach und leicht.

Das Gefühl der Ratlosigkeit angesichts der besorgen Nachfragen ist sicherlich in „Forrest Gump“ am besten wiedergegeben:

  • „NEWSMAN: Sir, why are you running?
  • 1ST REPORTER Why are you running?
  • 2ND REPORTER Are you doing this for world peace?
  • 3RD REPORTER Are you doing this for women’s right?
  • NEWSMAN Or for the environment?
  • REPORTER Or for animals?
  • 3RD REPORTER Or for nuclear arms?
  • FORREST (V.O.) They just couldn’t believe that somebody would do all that running for no particular reason.
  • 2ND REPORTER Why are you doing this?
  • FORREST I just felt like running.

Zu genau diesem Gefühl gibt es nichts hinzuzufügen.