STUNT100 2017 – der Weg zum zweiten Stern

Wir sind dann mal unterwegs beim STUNT100.

Wir freuen uns schon sehr darauf. Der Lauf wird geprägt sein von viel einsamer Zweisamkeit, vor allem aber durch ein super Team am Sportplatz und am Wegesrand. Alle paar KM werden wir wieder empfangen werden als gehörten wir zur Familie. Irgendwann kommt der Punkt an dem wenig gehen wird. Aber in diese Momenten läuft man dann nicht nur für sich, sondern auch für die Menschen, die am nächsten VP warten und sicher traurig wären, wenn man nicht mal auf ein kurzes Gespräch vorbeikommt.

Wir sind vorbereitet:

IMG_1243.JPG

Leider ist Frank dieses Mal nicht dabei – aber irgendwie wollten wir ihn doch mit dabei haben:

IMG_1242

Wir laufen den einfach für dich, lieber Frank.

Auf Live-Updates von uns unterwegs möchte ich verzichten – das Internet im Wald… Und außerdem soll man sich ja auf die Sachen, die man so tut, voll und ganz einlassen. Wird auch sicher nötig sein!

Hier wird es ein paar Live-Updates vom Veranstalter geben!

Auf bald!

 

Der Weg zurück – DCURbN 2017

Was haben wir uns dabei gedacht? 2016 waren wir doch schon da und sind sogar angekommen. Irgendwann muss auch mal genug sein. Oder? Warum steigt man in diesen Zug von Aachen nach Den Helder, nimmt 4 mal Umsteigen auf sich? An einem schönen Freitagabend, wo es sicher zahllose Dinge zu tun gäbe? Vor den Zugfenstern wird es immer dunkler und kälter. Die Mitreisenden werden langsam immer weniger, je weiter es nach Norden geht. In Den Helder angekommen, scheinen sämtliche Gäste des ICs Läufer zu sein. Schnell in die Kneipe gegenüber des Bahnsteiges und ins Warme. Die letzte Stunde vor dem Aufbruch. Professionell wie immer bereiten wir uns und unser Equipment vor:

Dabei werden wir immer noch ein wenig wie die Exoten behandelt die wir sicher sind. Diese Deutschen… mit dem Zug… um nachts am Strand zu laufen…! Fühlt sich richtig an. Mittlerweile waren wir schon bei einigen Veranstaltungen in unserem sehr geschätzten Nachbarland und man erkennt uns wieder. Viele freuen sich wirklich uns zu sehen. Das fühlt sich um so besser an!

Und dann ist es fast Zeit. Kurz vor 22 Uhr an diesem Freitag im Januar soll es also wieder beginnen. Dieser außergewöhnliche Lauf.

Über das was unterwegs wirklich geschah, sei nicht viel gesagt. Diese 60 km Sand, diese 15 km Hafen und die letzten 25 km in den Dünen. Es bleibt ein so einzigartiges Erlebnis. Ein Lauf von der Theorie her so einfach und monoton und doch so brutal auf seine Weise. Ausgeliefert dort draußen. Zu zweit allein mit sich. Stundenlanges Rauschen der Wellen, dann das Brummen des Hafens und dann am Ende auf der 25 km Trailrunde durch die Dünen endlich Ruhe. Nach über 10 Stunden so überwältigend. Die tolle Natur mit ihrer kräftezehrenden Weite. Es bleibt fantastisch und unwirklich zugleich.

Es verlangt irgendwie mehr als sonst auf jedem Kilometer, aber es fühlt sich auch besser an. Aus diesen Dünen kommt man anders zurück als man hineingelaufen ist. Die totale Erschöpfung und diese schöne Landschaft… Es ist als seien ein paar Fragen beantwortet worden, auf die schwer eine Antwort zu finden ist. Wenn dich diese Dünen wieder ausspucken, dieser Hafen dich ziehen lässt und dich der unendliche Strand mit seinen nie näher kommenden Lichter nicht geschafft hat, bist du ganz bei dir. Absolut am Ende zwar, aber doch ok mit dir.

Die Gerüchte, dass dies der letzte DutchCoastUltraRunbyNight war lassen wir unkommentiert. Genau wie die Gerüchte nach dem Lauf, man würde darüber noch mal nachdenken. Wir verneigen und bedanken uns bei den Organisatoren, den Supportern und den Läufern. Der Lauf hat seinen eigenen Spirit. Wenn nachts neben dir ein Auto hält und du gefragt wirst, ob alles gut ist – wunderbar. Auch wegen und trotz der ganzen lieb gemeinten Frotzeleien: es freut uns sehr, dass wir zweimal dabei sein durften. Mit den beiden Finishs haben wir euer Vertrauen hoffentlich zurück gezahlt. Wir fühlen uns ein ganz klein wenig als Teil eurer Familie und ist ein gutes Gefühl.

Auf bald und bedankt, die Deutschen.

dcurbn201711papanoelhighfive_32452368581_o

I just felt like running.

Bildschirmfoto 2016-01-06 um 20.33.10

„Wovor läufst du eigentlich davon? Vor deinem Leben, deiner Familie, deinem Job?“ Es scheint viele Menschen wirklich zu beschäftigen, was hinter der vielen Lauferei steckt. Sie suchen einen Grund und gehen davon aus, dass es da etwas sehr Problematisches geben muss, welches diese Flucht rechtfertig oder nötig macht. Die Antwort auf mein persönliches „Warum?“ habe ich an anderer Stelle schon gegeben. Darum soll es hier nicht gehen. Es gibt nur noch einige Dinge die dazu zu sagen wären. Die Grundannahme, es habe direkt mit einer Flucht vor dem eigenen Leben zu tun, ist für mich grundfalsch. Diese Art des Laufens ist für mich schwer vorstellbar ohne die Unterstützung von Familie, Freunden und dem richtigen Umfeld. So fühlt sich das zumindest für mich an – Danke dafür! Zumindest einigen mir bekannten Läufern geht es da sehr ähnlich. Der Gedanke das Support sich immer lohnt und oft das Mögliche erst erreichbar macht, hat sich tief im Kopf festgesetzt.

Was schon eher in die richtige Richtung geht ist die Annahme, dass das Laufen ein Ausgleich ist. Ein Ausgleich für die diverse Anstrengungen, die der Alltag nunmal bereithält. Laufen ist für mich sicher auch eine Inspiration. Nichts ist besser als ein paar Stunden im Wald herumzuirren um den Kopf für neue Ideen zu leeren. Das einzige „Problem“ dabei: sind die richtigen Läufer dabei, drehen sich diese Ideen oft nur um die nächsten läuferischen Missetaten.  Irgendwer hat mal so etwas gesagt wie: „Wenn du nach einem anstrengenden 3-Stunden-Lauf keine Antwort auf deine Frage gefunden hast, dann gibt es keine“. Das kann ich so unterschreiben!

Obwohl es gerade im Moment im öffentlichen und politischen Geschehen in Deutschland und der Welt meiner Meinung nach viele Dinge gäbe, vor denen es sich lohnen würde davon zu laufen, bleibt das Laufen für mich doch positiv besetzt. Es ist kein Davonlaufen. In den seltenen Fällen, in denen das Ziel definiert ist, ist es ein Laufen für genau dieses eine Ziel (meist ein Bogen in der Landschaft, oder ein einfacher Strich auf dem Boden, oder auch ein Stück Metall an einem Fluß). Meist ist es aber einfach das am leichtesten zu erreichende Stück Glück am Ende oder vor einem langen Arbeitstag. Um dorthin zu gelangen ist es nur notwendig die Schuhe zu binden und sich zu bewegen. Einfach und leicht.

Das Gefühl der Ratlosigkeit angesichts der besorgen Nachfragen ist sicherlich in „Forrest Gump“ am besten wiedergegeben:

  • „NEWSMAN: Sir, why are you running?
  • 1ST REPORTER Why are you running?
  • 2ND REPORTER Are you doing this for world peace?
  • 3RD REPORTER Are you doing this for women’s right?
  • NEWSMAN Or for the environment?
  • REPORTER Or for animals?
  • 3RD REPORTER Or for nuclear arms?
  • FORREST (V.O.) They just couldn’t believe that somebody would do all that running for no particular reason.
  • 2ND REPORTER Why are you doing this?
  • FORREST I just felt like running.

Zu genau diesem Gefühl gibt es nichts hinzuzufügen.