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Es ist schon ein ganz erstaunliches Phänomen diese TorTour de Ruhr von Jens Vieler. Es hat sich rund um den Lauf eine einzigartige Familie aus Läufern und Supportern gebildet die einfach nur verrückst ist. Im positivsten Sinne. In den sozialen Netzwerken wird schon direkt nach dem Ende des letzten dieser 2-jährigen Events auf das nächste hingefiebert. Der Kontakt ist direkt und herzlich. Man fühlt sich dermaßen zu Hause in dieser Runde, das ist der Wahnsinn.

Die Entscheidung selbst anzutreten hatte für mich persönlich vielerlei Gründe. Bevor es für mich mit dem Laufen überhaupt so richtig los ging hatte ich aus der Zeitung erfahren, dass es da jemanden gibt, der die ganze Ruhr abgelaufen ist. Unvorstellbar und unmöglich. Über den geplanten Support von Helmut bzw. dann Henk 2014, durfte ich für ein paar Kilometer TorTour-Luft schnuppern. Mit den langsam länger werdenden Distanzen und den ersten selbst gelaufenen 100 km, fiel dann irgendwann der Entschluss, die Mittelstrecke 2016 in Angriff zu nehmen. Da es durch die alte Heimat geht, waren mir einige der Kilometer in der Mitte der Strecke eh schon bekannt, vom Profil her könnte es eine gute Gelegenheit für die ersten 100 Meilen sein – es gab vieles was im Vorfeld dafür sprach es zu versuchen.

Über die Planung, die Vorfreude und die Vorbereitung wurde schon viel geschrieben. Wie geplant standen Tim & Struppi am 14.05.2016 um 18:00 Uhr in Arnsberg am Start mit eigentlich nur einem echten Ziel: zusammen am Rheinorange ankommen. Viele Stunden nach dem Lauf fällt es mir immer noch etwas schwer, alles richtig zu sortieren. Die Eindrücke waren so vielfältig und wunderbar, die Verfassung von mir erst ziemlich gut und dann gegen Ende sehr miserabel. Was in Erinnerung bleiben wird ist nicht die teilweise endlos lange Strecke von Arnsberg nach Duisburg, sonder was darum passierte. Kurz nach KM30 haben wir beide uns kurz darüber ausgetauscht wie eigenartig und doch wundervoll es ist, so betreut zu werden. Wir, die wir es gewöhnt sind aus unseren Rucksäcken zu leben, die alles was nötig ist immer am Mann tragen hatten immer 2, später 3 und am Ende sogar 4 Fahrräder um uns rum, ein Auto mit 2 lieben Menschen, die Radler wie uns perfekt versorgt haben. Es gibt keine Worte dafür. Für euch war es sicher brutal. Es war eiskalt, teils sehr windig und unendlich langsam für euch – wir verneigen und bedanken uns für eure Hingabe. Das war ganz großes Kino. Dann all die lieben Freunde unterwegs, Läufer, Crews, VP-Betreuer/Besucher – gigantisch. In Hagen war das kurze aber herzliche Gespräch mit Ricarda wunderbar, Rufin und Max zu sehen, meine Eltern waren das erste Mal da… Herausragend war auch der VP von WatLäuft. Stefan in Hochform zu treffen war einfach nur perfekt. Wir durften Vigli wie versprochen unterwegs mit Gummibärchen versorgen. Es sind diese schönen Momente, die bleiben werden. Und es waren noch so viel mehr, für die hier einfach kein Platz bzw. nicht der richtige Ort ist. Ich werden jeden von euch wiedersehen und wir werden uns dann mit genügend Abstand über all die kleinen Geschichten freuen können, die wohl nur sehr besondere Läufe hervorbringen können.

Kurz muss ich dann doch noch auf die letzten 30 km eingehen. Eine Kombination aus Müdigkeit und nicht mehr so klarem Kopf haben es mir sehr, sehr schwer gemacht. Körperlich ging es mir tatsächlich nicht so schlecht wie ich es schon hatte, aber das Ziel kam einfach nicht näher. Die aufmunternden Worte aller und diese Idee im Kopf doch zumindest einmal im Leben den Rheinorange zu sehen haben mich irgendwie in Bewegung gehalten. Zwar mehr schlecht als recht, aber immerhin. 7 km vor Schluss habe ich mich dann entschieden: 5 km vorm Ende sollten wir das Auto ein letztes Mal sehen. Ich würde mich reinsetzen und das wars. Der Kopf signalisierte ganz klar: muss nicht sein. Kein Grund noch einen Schritt weiter zu tun. Die Aufgabe war für mich beschlossene Sache. Dann sitzt man da. Einfach leer. Um dich herum all die Leute die dich bis hierher unterstützt haben. Dann war da der Gedanke: wenn du es nicht mehr schaffst es für dich zu tun, dann tu es fürs Team. Es waren verdammt lange 5 km. Aber wir sind wieder gelaufen. Sub 24 h war plötzlich wieder das große Ziel. Wenn schon 100 Meilen finishen, wenn schon einmal zum Rheinorange, dann aber auch unter dieser magischen Grenze und für die Schnalle. Natürlich hat es sich gelohnt. Natürlich wäre es blöd gewesen so kurz vorher auszusteigen. Aber es ist nicht ganz so einfach wie das klingt.

Die ersten 100 Meilen werden sicher unvergessen bleiben, genauso wie mein innerlicher Kampf dafür. Von Jens dort beglückwünscht zu werden war wunderbar. Das nimmt uns keiner mehr. Unser beider erster offizieller 100 Meiler (wenn man die 24 h-Läufer rausnimmt) und wir waren zusammen da. Das ist viel Wert. Es war für mich ein sehr emotionaler Lauf und es wird Zeit Danke zu sagen:

  • Henk und Helmut: ihr beide verbindet enttäuschende Erlebnisse mit diesem Lauf. Helmut hat es nie hin geschafft und Henk hat 2014 den Rheinorange nicht sehen können. Ihr beide seid maßgeblich dafür verantwortlich das wir beide uns kennen gerlernt haben, das Ultralaufen zu schätzen gelernt haben und daher überhaupt an den Start gegangen sind. Es hatte etwas von Wachablösung (obwohl ich das Funkeln in Helmuts Augen schon gesehen habe). Danke für alles die letzten Jahre und die vielen gemeinsamen Erlebnisse. Für mich persönlich, der ich Henk bei seiner Aufgabe 2014 in die Augen gucken musste, war das eine sehr starke, treibende Kraft auf den letzten Metern. Ich wusst genau, das Henk wohl besser wusste als alle anderen, wie es mir ging. Henk, mein Finish gehört dir. Und Helmut: wir sprechen nochmal in Ruhe drüber ;).
  • Maren und Martine: ihr seid großartig. Leider konnte ich euch nicht wie Struppi immer springend und jubelnd begrüßen – gefreut und gesehnt habe ich mich trotzdem auf und nach euch. Danke füs Betreuen, fürs Warten, fürs Frieren, fürs Navigieren, fürs Organisieren… Perfekt.
  • Daniel und Alex: Super, dass ihr den Mist mitgemacht hat. Ihr habt perfekt da rein gepasst, uns alle aufgemuntert und nochmal Schwung in die Sache gebracht.
  • Familie Weißbach: Danke für den Support und die Unterstützung. War super euch an der Strecke zu wissen. Vor allem für die Supporter ward ihr sicher in Segen.
  • Alle anderen an den mobilen Endgeräten, an der Strecke, an den VPs, auf der Strecke, im Orga-Team: Es war perfekt eure Aufmunterung zu erfahren, eure lieben Worte zu hören, euer geniales Essen zu verdrücken, euch ein paar liebe Worte sagen zu können. Dieses „einer für alle, alle für einen“-Gefühl hilft ungemein.

@Struppi: Danke das du nicht gegangen wärst, wenn ich dich weg geschickt hätte. Wir laufen erst seit gut 2 Jahren zusammen und es ist verdammt viel Geniales dabei rum gekommen. Was auch immer kommt – hoffentlich können wir noch lang zusammen weitermachen. Gut das wir jetzt nicht mehr singen müssen: „Ich war noch nie am Rheinorange …“.

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Wir war’n nun einmal am Rheinorange…

Struppi hat unterwegs auch wieder ein paar Bilder geknippst.

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